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Johannes der Täufer    /    Profil eines Propheten    /     von Agnus D.     /     anno domini  2004

bei  Matthäus       bei  Markus        bei  Lukas         bei  Johannes        bei den Aposteln      bei Agnus D.

Geschichtliches über Johannes den Täufer

 

 

Der Name Johannes kommt von Johanan hebr. „Jahwe ist gnädig”. Der Wassertäufer war ein so genannter Buß- und Endzeitprophet, der um das Jahr 28 nach Christus südlich von Jericho vornehmlich am Jordan wirkte. Er entstammte priesterlichem Geschlecht und war angeblich mit Jesus verwandt. Der Legende nach waren seine Eltern Elisabeth und Zacharias bereits schon hochbetagt, als dem Zacharias der Erzengel Gabriel erschien und ihm zu verstehen gab, dass ihnen ihr Kinderwunsch doch noch erfüllt werden sollte, und sie einen Sohn bekämen. Den sollten sie dann Johannes nennen.

Im Alter von ungefähr 30 Jahren zog es Johannes in die Wüste, um dort als Asket seine Zeit zu verbringen. Er besuchte aber auch Jerusalem und begann am Fluss Jordan mit seiner Tauftätigkeit, wobei er die nahe Ankunft des Messias verkündete. Der Täufer gilt als der direkte Vorläufer des Gesalbten. Die Kirchen sehen in ihm den letzten großen Propheten der biblischen und altjüdischen Tradition. Seine Bedeutung und seine Leistung in den Evangelien beschränkt sich aber im wesentlichen auf die Taufe Jesu am Fluss Jordan. So berichtet das Neue Testament von einem direkten Zusammentreffen des Johannes mit Jesus: Er tauft Jesus am Jordan, wobei die besondere Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal "öffentlich offenbar" werden. Hierbei schildern die kirchlichen Evangelien:  "Eine Stimme vom Himmel rief: Dieser ist mein geliebter Sohn, denn an ihm habe ich mein Wohlgefallen". Durch diese Stimme des göttlichen Vaters von oben herab erhielt Jesus seine Berufung und seine direkte Verbindung zum Herrn. Unmittelbar danach begann er sein im Verhältnis zum moralistischen Johannes unvergleichlich freies Wirken im Heiligen Geist des Herrn.

Johannes Täufer-Tätigkeit unter Ankündigung eines nun unmittelbar bevorstehenden Strafgerichts erregte bei einigem Volk großes Interesse. Und so ließ sich auch Jesus von Johannes hörend am Fluss Jordan taufen. Im zeitlichen Umfeld der Taufe Jesu soll Johannes in ihm den lang ersehnten Erlöser Israels erkannt haben, so dass er verkündete: „Dieser ist das Lamm Gottes, welcher die Sünden der Welt hinwegnimmt.” Mit der Obrigkeit bekam Johannes wegen seiner kritischen Ereiferungen etliche Schwierigkeiten. Dabei sparte er auch nicht mit herben Vorwürfen an den Landesfürsten. So blieb es nicht aus, dass sein Wirken das Misstrauen des Königs Herodes Antipas erregte. Johannes brandmarkte auch öffentlich dessen Scheidung von dessen erster Frau, und dessen anschließende Wiederverheiratung mit der Frau seines Bruders Philippus, Herodias.

Auf Herodias Betreiben hin ließ Herodes den inzwischen beim Volk wohl gelittenen Täufer gefangen nehmen. Als seine Tochter Salome ihn mit ihrer Tanzkunst bezauberte und dafür einen beliebigen Wunsch frei hatte, da forderte sie den Kopf des Johannes. Trotz großer Furcht vor einem magischen Effekt ließ dann Herodes den Johannes enthaupten. Salome soll das Haupt auf einem Silbertablett ihrer darüber glücklichen Mutter Herodias überreicht haben. Sie trachtete ja in Rachsucht danach den Täufer zu vernichten, weil der ohne den geringsten Respekt ihre Verbindung mit dem König Herodes Antipas nach der Auflösung ihrer Ehe mit einem Stiefbruder des Königs anprangerte. So hatte sie also am Geburtstag dieses Tetrarchen mit Hilfe ihrer tanzenden Tochter ihr Ziel erreicht, sowie Johannes den Lohn seiner Provokation erhalten.

Herodes Antipas konnte als der Herrscher Israels Johannes den Täufer ergreifen und umbringen lassen, so wie es die biblischen Berichte schildern. Neben den synoptischen Evangelien schreibt im übrigen auch noch Flavius Josephus (= römischer Geschichtsschreiber) über dieses gesellschaftspolitische Ereignis. Die Überlieferungen differieren aber einmal hinsichtlich des Motivs für das Eingreifen des Tetrarchen und zum anderen hinsichtlich der näheren Umstände dieser Hinrichtung. Nach Flavius Josephus  hingegen handelt Antipas aus rein politischen Gründen. So fürchtete er, der Johannes könnte wegen seiner Anziehungskraft und Redegewalt das Volk zum Aufruhr treiben. Auf diesen Verdacht hin ließ er den Täufer in Ketten legen, auf die Burg Machärus an dem Ostufer des Toten Meeres bringen und dort hinrichten. Flavius Josephus hat wohl einst das eigentliche Motiv richtig überliefert. Die synoptischen Evangelien hingegen scheinen das Schicksal des fanatischen Bußpredigers nach dem Vorbild des Propheten Elija gestaltet zu haben. Elija wurde bekanntlich von Isebel, der Frau Ahabs, des Königs von Nord-Israel, verfolgt ( 1 Kön 21,7 ). Das Martyrium des Täufers dürfte an das Ende der 20er Jahre zu verlegen sein.

Über der Grabstätte des Johannes in Samaria wurde im 4. Jahrhundert eine Kirche errichtet; ihre Ruinen wurden 1931 bei Ausgrabungen gefunden. Der Kopf des Täufers befand sich seit dem 4. Jahrhundert in der von Kaiser Theodosius I. (379-395) errichteten Johanneskirche zu Damaskus, an deren Stelle nach Eroberung durch die Araber die berühmte Omaijadenmoschee errichtet wurde. Die Reliquie wird aber auch noch von den Muslimen hoch geehrt, und soll noch heute dort erhalten sein. Denn Johannes der Täufer hatte auch noch nach seinem Tod bzw. dem Wirken Jesu Christi eine Schar getreuer Anhänger. So berichtet das Neue Testament u.a. von einem Zusammentreffen des Apostels Paulus mit ihnen zu Ephesus (Apostelgeschichte 18,25 und 19,3). Auch heute noch sehen die Mandäer, eine kleine, im Irak an Euphrat und Tigris ansässige Taufsekte, in ihm den Reformator ihrer Religion.

 

Das Persönlichkeitsprofil von Johannes dem Täufer

 

 

Über Kindheit und Jugend des Johannes wird in der Bibel nichts berichtet. Darüber hinaus wissen wir auch nichts über seinen religiösen Werdegang. Er muss aber schon früh eine Nähe zum Herrn gespürt haben, entsprechend der Legende des Boten Gottes bei seinem Vater Zacharias bezüglich der Bestimmung der Existenz eines Sohnes Johannes.

Der Täufer war ein nach heutiger Auffassung deftig derber Naturbursche. Auf sein Aussehen legte er da kein großes Gewicht, dass er sehr vernachlässigt haben soll. Dabei trug er wohl ein raues Gewand aus eher steifem Kamelhaar. Wie es heißt, soll er sich überwiegend von Heuschrecken und wildem Honig ernährt haben. Dies war nun selbst für damalige Verhältnisse schon sehr ungewöhnlich und Aufsehen erregend. Doch waren es seine radikalen und lauthals verkündeten religiösen Thesen, die ein großes Spektakel verursachten, und um dessentwillen ihm eine neugierige Menschenmenge zugelaufen kam. Von diesen Leuten forderte er, dass sie ihr Leben total ändern sollten. Und zwar hier sofort auf der Stelle! Sie sollten unbedingt wieder die Gesetze Gottes gebührend beachten und befolgen, bzw. ihr Alltagsleben streng danach ausrichten. Ein Dasein, ohne Gott den Herrn ernst zu nehmen - das sei auf das schärfste zu verurteilen, sagte Johannes und rief: zur Umkehr im Geiste auf, da jetzt eine neue Zeit anbrechen würde!

Etliche seiner Zuhörer waren mit ihrem gottvergessenen Alltag wohl selbst nicht ganz glücklich gewesen, so dass sie auf Johannes hörten, was diesen zu noch weiterem Eifer anspornte. Zum Zeichen von Umkehr und Neuanfang begann Johannes im Fluss Jordan die Willigen durch ihr völliges Untertauchen im Wasser zu taufen. Diese Symbolhandlung beruht offenbar auf der  Reinigungskraft des Wassers, wodurch sinnbildlich das Sündenleben weggewaschen werden sollte, um damit Platz zu schaffen für ein Leben in Gottgefälligkeit, wie er es verstand. Der Gotteseifer hatte ja schon sehr früh quasi von ihm Besitz ergriffen. So trieb es ihn, den Sohn aus angesehener Priesterfamilie, in die Einsamkeit der Wüste. Hier lebte er offenbar von all dem was er in der Natur an kärglichem vorfand. Und hier hatte er wohl seine ihn prägenden Gotteserfahrungen. Als unerträglich empfand Johannes die Gegensätzlichkeit zwischen der Heiligkeit Gottes und der Hartherzigkeit und Verlogenheit der Menschen. Er war deshalb absolut überzeugt: Schon sehr bald würde sich diese Spannung in einem schrecklichen Gerichtstag und mit göttlichem Zorn entladen. Nur eine sofortige Bekehrung aller könnte davor retten. Aus diesem Grund rief er am Ufer des Flusses Jordans all die vorbeikommenden Menschen mit harschen Worten zu einer Änderung ihres bisherigen Lebens auf, und bot den Reumütigen die Bußtaufe an.

Nach unserem heutigen Verständnis war Johannes ein von einer fixen Idee Besessener, welcher dem Herrn mit seiner eigenen Auffassung von dessen Willen da weitaus mehr geschadet als genützt hat. Was der tatsächliche Wille des Herrn war, das wurde ihm ja deutlich und parallel zu ihm mit eben der Person und dem Wirken Jesu drastisch vor Augen geführt. Doch Johannes kam von seinen festen Gewaltvorstellungen einer alles strafenden Gerechtigkeit Gottes nicht mehr los. Sie wurden ihm schließlich fast zwangsläufig im Kerker von Herodes zum schmachvollen Verhängnis.

Mit der Zurücknahme seiner Anklagen hätte er höchstwahrscheinlich noch sein Leben mit einer Freilassung aus der Haft retten können. Dadurch, dass er aber bei seinen herausfordernden Brandmarkungen blieb, sprach er gewissermaßen über sich selbst sein Urteil! Der Täter wird sein eigenes Opfer! In der modernen Psychologie ist die Täter-Opfer-Beziehung schon seit längerem bekannt. Sie hat die Bedeutung, dass Täter und Opfer in einer direkten Beziehung zueinander stehen, worin Täter und Opfer frei austauschbar sind. Diesem Teufelskreis entrinnt man nur, indem man ihn unterbricht. Und das bedeutet konkret, dass Johannes eine Kehrtwendung um 180 Grad zu vollziehen gehabt hätte, bzw. vor Herodes und Herodias reumütig seine Vorwürfe widerrufen hätte. Der dann zu erwarten gewesenen äußeren Freilassung wäre die innere nachgefolgt. Denn Johannes hätte sich ja damit aus eigener Kraft von seiner ihn fesselnden Manie befreit gehabt.

 

Des Täufer Johannes Begegnung mit Jesus ohne Folgen für das eigene Verhalten

 

 

Eines Tages kommt Jesus an den Jordan. Johannes erkennt ihn als den, den Gott nach ihm und ihn überbietend gesandt hat. Deswegen kann er nicht verstehen, warum Jesus sich in die Reihe der einsichtigen Sünder stellt, um sich taufen zu lassen. Wäre es nicht besser, Jesus würde als Sündloser im Namen Gottes ein Strafgericht abhalten? Aber Gottes Gerechtigkeit geht offenbar andere Wege. Johannes hat sich und seine Vorstellungen zurückzunehmen. Nicht neidlos erkennt er: Als seine Ablösung ist jetzt Jesus am Zug. „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ Diese ihm wohl von ganz oben bzw. Gott eingegebene Erkenntnis kann für ihn mit seinem Fanatismus nicht ganz unproblematisch gewesen sein. Und so gelingt es Johannes auch nicht sein Verhalten entsprechend danach auszurichten. Unverdrossen und ohne sich Jesus und dessen Sündenvergebung zum Vorbild zu nehmen, macht er dagegen mit seinen Verurteilungen der Sünder weiter. Und er kritisiert nicht nur die einfachen Leute aus dem Volk, sondern eben darüber hinaus auch Tempelpriester und Gesetzeslehrer. Im Weiteren legt er sich sogar mit dem Landesfürsten an, weil dieser dem eigenen Bruder die Frau „ausgespannt“ hatte. Johannes will es einfach nicht erlauben, dass die Herrschenden nach ihren eigenen Moralvorstellungen leben und handeln. Dagegen wendet er sich mit aller Inbrunst. Aber Herodes schlägt mit seiner Staatsmacht zurück. Und so lässt er Johannes verhaften und in den Kerker werfen.

 

Johannes der Täufer scheitert am Ende an sich selbst

 

 

Der Arrest im nasskalt finsteren Verließ bekommt Johannes offenbar nicht, und lässt ihn krank und schwach werden. Schwermütige Gedanken keimen hier in ihm auf und quälen ihn: Wo ist der gerechte Gott? Warum wartet er mit seinem Zorngericht noch immer zu? Und was will Jesus eigentlich? Er schickt Freunde zu Jesus, damit sie ihn fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“ Und Jesus antwortet: „Geht und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird die Frohbotschaft verkündet.“ Nicht die Bestrafung der Menschen ist Gottes Ziel, sondern ihre Heilung. Der Arzt wird jetzt gebraucht und nicht etwa der Scharfrichter. Denn immer nur wer Zuwendung und Liebe erfährt, kann selbst Liebe schenken und wird fähig, verantwortungsvoll zu leben. Zwar stimmt, dass Gott die Menschen zur Verantwortung zieht, doch eben in der Weise, dass sie lernen müssen, was denn Demut und Liebe ist. Denn dies ist die allein gültige Daseinsweise in der Ewigkeitswelt beim Herrn, weshalb in der tödlichen Zeitwelt Satans dafür bereits schon die Voraussetzungen zu schaffen sind.

Ob aber Johannes dies noch so vor seinem Tod erkennen konnte, bleibt höchst fraglich. Sehr wahrscheinlich konnte er diesen über Jesus offenbar werdenden Willen des Herrn bei sich nicht mehr realisieren. Beweis dafür wäre gewesen, dass er dem Fürst Herodes und seiner Frau Herodias deren Sünden nachgelassen hätte. Mit der Zurücknahme seiner Anklagen hätte er dann auch höchstwahrscheinlich noch sein Leben rettend seine Freilassung erzielen können. Und so kam tragischerweise über ihn selbst, was er der sündigen Welt zugedacht hatte: Eine strafende Hinrichtung!

 

 

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